Für Raumschiffe, Medizintechnik und Formel 1
Von Karl-Heinz Kaiser, "Volksstimme", 2009-10-14
Magdeburg. Mit der KLETKE Advanced Composites AG will sich ein im Aufbau befindliches High-Tech-Unternehmen in Magdeburg ansiedeln. Ins Auge gefasst hat es dafür das Industrie- und Logistikzentrum Rothensee. Dort soll auf einer (derzeit erst noch reservierten) Fläche von 32000 Quadratmetern eine Produktionsstätte von Kohlenstoff-Kohlenstoff-Kompositmaterialen errichtet werden. „In dem Werk sollen hochveredelte Materialien auf Kohlenstoffbasis nach dem Muster des aus politischen Gründen abgewickelten ukrainischen Uglekomozit-Produktionskomplexes hergestellt werden“, sagte Vorstand Axel Kletke der Volksstimme. Dabei handele es sich seinen Auskünften zufolge um Materialien und Werkstoffe unterschiedlicher Konsistenz, die bis zu 3000 Grad hitzebeständig sind und geringe Wärmeausdehnungseigenschaften besitzen. Die Produkte seien international u. a. im Maschinenbau, in der Automobilindustrie, in der Medizin und im Rennsport gefragt. Flugzeugbremsen, Bremsscheiben für u. a. Formel 1, Raumfahrtbauteile, Turbinenschaufeln, Isolierkörper und chemische Reaktoren in weltweit größten Abmaßen und höchster Qualität werden daraus hergestellt. Der promovierte Ingenieur, geboren in Russland, seit 15 Jahren deutscher Staatsbürger, hat für sein Projekt den renommierten Wissenschaftler Prof. Leonid Bilenko ins Boot geholt. Er gilt in der Ukraine als Experte für Faserverbundwerkstoffe und gehört zu den erfolgreichsten Spezialisten in der damaligen Sowjetunion beim Einsatz der Komposite in Langstreckenraketen.
Die Investitionssumme für das Werk in unmittelbarer Nähe von Schubert Helme beläuft sich nach Angaben des Vorstandes auf rund 50 Millionen Euro. Dabei soll im wesentlichen auf Privatfinanzierung zurückgegriffen werden, hieß es. Man sei bereits im Gespräch mit Partnern, die die Fertigungsanlagen herstellen könnten und im Gegenzug Produkte abnehmen würden, hieß es. Mit der Stadt sind die Verhandlungen über das Grundstück im Gange. In der Vorwoche war Kletke beim Land vorstellig. Dort habe er offene Ohren gefunden, schätzt er ein. Jetzt müsse er weitere wissenschaftliche Gutachten zu dem Konzept beibringen.
Axel Kletke will sein Projekt vom Land fördern lassen. Wird es verwirklicht, könnte Magdeburgs Image als Stadt von High-Tech-Produkten enorm ansteigen, glaubt er. Dem 33-Jährigen schwebt vor, neben der Produktion auch die Forschung aufzubauen. Das soll im Zusammenhang mit Materialien für die Herstellung medizinischer Implantate, Hochleistungs-Lasern oder für Flugzeug-Bremsscheiben geschehen.

